Zwischen Festanstellung und Nomadenleben - ein Interview mit Stefan von Travelonboards.

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Stefan ist leidenschaftlicher Surfer, Familienvater, Autor und Fernsehredakteur. Er pendelt zwischen Hamburg und Portugal. Bei unserem Gespräch hat sich ein Satz besonders in meinem Gedächtnis verankert: “Es gibt Wege zwischen Schwarz und Weiß.“ Es muss nicht immer das extrem sein. So kann man auch im Arbeitsleben  das Beste aus beiden Welten - Festanstellung und Nomadenleben - miteinander kombinieren. Im Interview erfährst du, warum ein Blog ein Vollzeitjob ist, warum du ein Ziel für dein Projekt brauchst und warum eine Homebase durchaus Sinn macht.

Hi Stefan, du pendelst zwischen der Welt des Angestellten und des Freelancers. Richtig? Warum bist du nicht Vollzeit angestellt, oder besser gesagt, wieso hast du dich nicht für ein Vollzeit-Nomadenleben entschieden?

Ich war drei Jahre fest angestellt und habe festgestellt, dass diese Art des Arbeitslebens nichts für mich ist. Vor allem in Bezug auf den kreativen Output hab ich nach dem Wechsel in die Selbstständigkeit gemerkt, dass ich viel produktiver bin, wenn ich mir meine Zeit selber einteilen kann. Ich kann einfach nicht von neun bis 13 Uhr, und dann wieder von 14 bis 18 Uhr auf Knopfdruck abliefern - manche Aufgaben kann ich besser morgens erledigen, manche nachmittags. Im Grunde lebe ich ein Vollzeit-Nomadenleben, auch wenn ich mit Hamburg eine feste Basis habe, in der ich pro Jahr einige Monate verbringe. Einer meiner Hauptjobs - Fernsehredakteur - verlangt es, dass ich bei einigen Arbeitsschritten vor Ort bin. Das ist aber auch ok, im Sommer kann man es in Hamburg sehr gut aushalten!

“Es gibt Wege zwischen Schwarz und Weiß.“

Wann hast du Travelonboards gestartet und wie viel Arbeit ist es wirklich, einen Blog zu starten und am Leben zu halten?

2015 hatte ich keine Lust mehr, all die Fragen meiner Freunde und Verwandten immer wieder aufs Neue zu beantworten: „Ich hab im Oktober zwei Wochen frei - wo soll ich denn hin?“ Außerdem hatte ich tausende von Fotos, die irgendwo auf einer Festplatte digital verstaubten - und da kam mir der Gedanke über die Surfspots, Reiseziele und Erlebnisse zu schreiben und diese zu bebildern. 

Ich bin: Chefredakteur, Fotograf, Praktikant, Social-Media-Beauftragter, Marketingabteilung, SEO-Redakteur

Ich habe mich im Vorfeld darüber bei anderen Bloggern informiert, wie viel Arbeit es ist - aber wie viel Zeit, Schweiß und Anstrengung in so einer Seite steckt hätte ich niemals für möglich gehalten. Eigentlich ist es ein Full-Time-Job für ein ganzes Team von Kreativen - nur, dass ich bei travelonboards eine „One-Man-Show“ bin: Chefredakteur, Fotograf, Praktikant, Social-Media-Beauftragter, Marketingabteilung, SEO-Redakteur. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen wie viele Nachtschichten in meiner Seite stecken. Aber, und nur darum mache ich das auch weiterhin: Es lohnt sich! Nicht finanziell, das nicht wirklich, aber die Erfahrung und Bekanntschaften, die ich im Laufe der letzten vier Jahre dank travelonboards gemacht habe, sind unbezahlbar.

Wie hast du dich mit deinem Projekt „Travelonboards“ positioniert und was unterscheidet dich von anderen Surfblogs? 

Am Anfang war mein Anspruch, einen Surfblog auf dem Niveau des Spiegel zu produzieren - da hat mich aber schnell die Realität eingeholt. Erstens ist das zeitlich unmöglich, zweitens ist ein Blog nicht die richtige Plattform für epische und hinterfragende Texte. Es hat eine Weile gedauert, bis ich in der Nische meine Nische gefunden habe. Ich denke und hoffe aber, dass ich mit travelonboards.de einen hochwertigen Blog geschaffen habe, der die Leser gleichzeitig unterhält und informiert und das Ganze in einem visuellen Rahmen präsentiert, der zum Thema „Surfen“ passt. 

Welchen Tipp bzw. Ratschlag würdest du jemandem geben, der einen Reiseblog starten möchte, um damit Geld zu verdienen?

Mach dich darauf gefasst, dass es das ein oder andere Jahr dauert, bis die ersten echten Euros auf dem Konto landen! Ich würde niemandem empfehlen, einen Job zu kündigen, um ab sofort von einem Blog leben zu können. Natürlich kommt es immer auf den individuellen Hintergrund an - Familie, finanzielle Verpflichtungen etc. - aber ab morgen finanziell voll und ganz auf den Blog zu setzen, halte ich für sehr gewagt. Es dauert einfach bis ein Blog gelesen wird - Stichwort Sichtbarkeit, Backlinks, Ranking - das schafft niemand in ein paar Tagen, egal wie gut er ist. Darum halte ich auch die ganzen Versprechung, die so im Netz kursieren, für sehr irreführend: „Mit dem Blog Selbstständig in drei Tagen“ - das ist Humbug, verbreitet von jemandem, der denkt er kann mit der Leichtgläubigkeit der Menschen in drei Tagen reich werden.

Welche nützlichen Tools erleichtern dir deinen Arbeitsalltag und für was verwendest du sie?

Ein schwieriges Thema! Am Anfang habe ich alles an Infos und Wissen in mich aufgesaugt, dazu gehörten auch Programme, Apps und andere Webseiten. Irgendwann habe ich den Überblick verloren und fast mehr Zeit mit der Organisation der Apps verbracht, also mit der eigentlichen Arbeit. Inzwischen habe ich aber so drei bis vier Apps und Programme, mit denen ich täglich arbeite, um meinen Redaktionsplan und ähnliches zu erstellen: Trello, Evernote, Hootsuit.

Was liebst du an deinem Job und was nervt dich? 

An meinem Job als Journalist liebe ich, dass ich tief in verschiedene Mikrokosmen eintauchen kann und Menschen und ihre Leben auf einer Ebene kennenlerne, die privat nie möglich gewesen wäre. Die Erlebnisse sind sehr unterschiedlich und intensiv. Gerade habe ich zum Beispiel für eine Reportage vier Tage mit einer Fährfrau auf der Weser verbracht und bin mit ihr unzählige Male die 80 Meter zwischen den Ufern hin- und her gefahren. Ich bin aber auch schon in einem Hubschrauber im Tieflug über einen Weltklasse-Surfspot geballert, habe mit amerikanischen Ureinwohnern in Kanada den Urwald unsicher gemacht oder verbrachte mehrere Wochen bei einer Aussteiger-Familie in Costa Rica. Wen das interessiert, der kann einige dieser Geschichten übrigens in meinem neuen Buch „111 Gründe, surfen zu gehen“ nachlesen! 

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Was mich nervt? Eigentlich gar nichts - ich finde es nur schade, dass ich als Journalist, der mit travelonboards.de ein qualitativ hochwertiges Produkt herstellt, dass viele Leser erreicht und im Special Interest Bereich „Surfen“ eine Relevanz erlangt hat, von einigen Firmen, Medien und sogenannten Kreativen nicht Ernst genommen werde. Allerdings spiegelt meine kleine Seite ganz gut das Verständnis von Medien wieder, dass in unserer Gesellschaft gerade herrscht, und an dem wir Journalisten mit Sicherheit Mitschuld tragen - aber ok, eher ein Thema für ein anderes Interview. 

Welche Fehler hast du als Gründer bzw. Freelancer eventuell gemacht, vor denen du andere Gründer gerne bewahren würdest?

Ich hab einfach losgelegt, ohne zu wissen wo ich hin will. Hört sich romantisch an, war aber mein größere Fehler. Weil ich nicht wusste, wohin ich mit meinem Blog will, was das Ziel des Blogs ist und wen ich erreichen will, habe ich viele Umwege gemacht und unzählige Stunden ziemlich ineffektiv gearbeitet. Vielleicht muss es nicht gerade ein Businessplan sein, aber ich würde jedem raten, sich im Vorfeld genau Gedanken zu machen, wohin die digitale Reise eigentlich gehen soll.

Dein Tipp, um als Freelancer an Aufträge zu kommen?

Ehrlich gesagt gibt es da nicht „den Tipp“ - jeder muss da seinen eigenen Weg finden. Allerdings hilft ein großes und qualitativ hochwertiges Netzwerk bei der Akquise natürlich ungemein.

Dein Tipp für gute Texte?

Puh - was sind gute Texte? Bei der kreativen Arbeit ist ja alles irgendwie Ansichtssache. Wenn du den Text gut findest, dann ist das ein guter Text.

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